Erste Ergebnisse
Von November 2005 bis März 2006 fand die erste KISS-Gruppe mit 8 KlientInnen
in der Palette in Hamburg statt. Auf diese beziehen sich die folgenden Ergebnisse.
Alle TeilnehmerInnen waren polytoxikoman (s. Abb. 1). Vier der KlientInnen nahmen
an einer Methadonbehandlung teil (KlientInnen M, J, T, Ts).
Die in MI und KISS fortgebildeten MitarbeiterInnen äußern sich mit dem
Ergebnis der Schulung sehr zufrieden und betrachten das Gelernte als
Bereicherung ihrer Arbeit.
Lediglich ein Klient (Hr E) der ersten KISS-Gruppe hat das Programm
vorzeitig abgebrochen (nach Sitzung 1). Während der (in Hamburg nur)
11 Gruppensitzungen waren durchschnittlich 76% der KlientInnen
(bezogen auf die 7 verbliebenen TN) anwesend. Auf Wunsch der KlientInnen,
die nicht an allen Gruppensitzungen teilgenommen hatten, wurden die
versäumten Stunden in Einzelsitzungen nachgeholt (s. Abb. 2). Auf dieser
Basis ergibt sich eine Teilnahme von 89,6% (bezogen auf 7 TN).
Die meisten Teilnehmenden konnten den Konsum ihrer Hauptsubstanz zum Teil
erheblich reduzieren (s. Abb. 3-4).
Die Teilnehmenden haben gezielte Konsumreduktionen auch bei anderen von
ihnen konsumierten Substanzen angestrebt und erreicht. Veränderungen sind
zum Teil auch in anderen Lebensbereichen in Gang gesetzt worden (z.B. Partnerschaft).
Hinsichtlich der Reduktion ihres Drogenkonsums sind die KlientInnen
mit der Unterstützung durch KISS zufrieden (s. Abb. 5).
Die Bewertung der KISS-Sitzungen durch die beiden TrainerInnen fällt
positiv aus (s. Abb. 6).
Schlussfolgerungen
- Es ist möglich, in niedrigschwelligen Einrichtungen verhaltenstherapeutische
Selbstkontrollprogramme (wie „KISS“) anzuwenden, auch wenn Kontext und
KlientInnen auf den ersten Blick ungeeignet für ein solches Angebot erscheinen.
- Auch KonsumentInnen, die der „offenen Drogenszene“ zuzurechnen sind, können zur
Konsumreduktion motiviert werden.
- Die Ergebnisse dieser Studie ermutigen dazu, eine Neuausrichtung des
Angebotsprofils niedrigschwelliger Drogenhilfe vorzunehmen. Dieser angestrebte
„Paradigmenwechsel“ besagt: Zum Profil niedrigschwelliger Drogenarbeit sollte
neben den gängigen Überlebenshilfemaßnahmen (wie Spritzentausch, Notschlafmöglichkeiten,
Versorgung mit Lebensmitteln etc.) auch gehören, den Konsum als solchen zu problematisieren,
zur Konsumveränderung zu motivieren und neben Abstinenz- auch Reduktionsprogramme
vorzuhalten.
Mittlerweile laufen mehrere KISS-Gruppen in Hamburg. Weitere KISS-Gruppen
sind in Hamburg und Frankfurt in Vorbereitung. Ab Herbst wird es
in weiteren Städten KISS-Gruppen geben.